Als ich gestern Mittag erfuhr, dass ich heute eineinhalb Stunden früher als üblich zur Arbeit erscheinen soll, also um halb sieben Uhr Morgens, statt erst um acht, verlor ich die Fassung. Ich soll also bis Mitternacht arbeiten, nach rund viereinhalb Stunden Schlaf wieder aufstehen, um dann elfeinhalb Stunden zu arbeiten, mit nur einer halben Stunde Essenspause, wenn man denn überhaupt von Essen würde reden können. Und das wohlgemerkt ohne Not. Ich wurde wütend und fuhr meinen Vorgesetzten an. Vorallem auch deshalb, weil unsere Aushilfen, welche sowieso um sechs Uhr Abends mit der Arbeit beginnen, liebend gerne zwei Stunden früher kämen, weil ihnen in den vergangenen Tagen die Schichten wegen Arbeitsmangel häufig gestrichen wurden und sie deshalb viel weniger verdienen. Kommt noch dazu, dass mir diese Woche aus versehen einen freien Tag gestrichen wurde und ich darum bitten musste diesen nächste Woche zu kompensieren. Nach meinem Wutausbruch war es eher etwas still, der Chef beleidigt, aber schliesslich bot er mir doch an, dass ich um vier Uhr Nachmittags abgelöst werden soll. Ich nahm dankend an. Das änderte natürlich nichts daran, dass ich heute den ganzen Tag völlig übermüdet war und ohne weiteres im Stehen hätte einschlafen können
Jul
25
Jul
20
Arbeitsamt
Das hiess also erst mal: Rasieren! Eigentlich schade um die Stoppeln, so ich wäre doch glatt als Grafiker durchgegangen. Oder sonst als irgend so ein künstlerisch tätiger Mensch: Bildhauer oder zumindest Möbelschreiner oder vielleicht Sargmacher. Wenigstens könnten dann die Nutzniesser meiner Arbeit nicht mehr reklamieren. Und ich hätte auch den Vorteil, dass ich genau wüsste, welche Stellen für eine Bewerbung in Frage kämen. Ein Sargmacher macht Särge, ein Buchverleger verlegt Bücher, ein Plattenleger legt Platten, und was tut ein Kellner? Er rennt. Wo er rennt ist egal. Ob Pizzas jonglierend zwischen zu eng beieinander stehenden Tischen oder Silberkännchen plazierend, zwischen Miros und Picassos spielt keine Rolle. Bei McDonalds gibt es immer irgendein Job der im Entferntesten mit Gastronomie zu tun hat.
So erhält der Sargmacher eine vom Arbeitsamt finanzierte Umschulung zum Möbelschreiner, während ich den Arbeitsvertrag bei Starbucks doch endlich unterschreiben soll. Aber was solls, wer nichts wird, wird sicher irgendwie Wirt und vielleicht hilft ja das Arbeitsamt ein bisschen nach. Aber dann wird weitergebloggt, selbstverständlich.
Jul
11
Sauce Italienne
Zugegeben, als ich zum ersten mal im “Guide culinaire” blätterte und diese Rezepte mit Hirn las, war ich etwas irritiert. Nicht das ich nicht gewusst hätte, dass Lunge und Herz und Leber und Niere, Milken, Ohren, Füsse, Zunge , Därme und Magen kulinarisch verwertet werden können. Aber das Hirn schien mir igendwie unantastbar. Damit dachte doch das Tier, erinnerte sich, darin musste doch die ganze Welt abgebildet sein, welche das Tier zu Gesicht bekommen hat. Soll man daraus wirklich Pasteten machen?
Vor einiger Zeit arbeitete ich in einem Restaurant welches Kaninchenfilets anbot. Diese waren zwar als Schweizer Fleisch deklariert, aber sie stammten natürlich aus Ungarn. Das war mir etwas unangenehm, nicht bloss an den Abenden vor der Kartonabfuhr, wenn sich in der Nähe des Restauranteinganges die gefalteten Schachteln stapelten: Kaninchen aus Ungarn, Lamm aus Australien, Ente aus Frankreich, Poulet aus Brasilien – alles aus Schweizer Produktion selbstverständlich. Ich sollte doch mal wieder fleischlose Gerichte ausprobieren. Eigentlich liebe ich ja die bulgarische Küche. Es war mir auch unangenehm, weil für zwei Portionen dieses Gerichts drei Kaninchen sterben mussten, nur damit hier diese meist zu trocken sautierten Filets angeboten werden konnten. Weshalb nicht das ganze Tier verkochen? Diese Frage stellt sich natürlich auch beim Kalb. Darum erneut ein Rezept mit Kalbshirn, eine kalte Sauce welche zu kalten Fleischgerichten passt:
Sauce Italienne
Durch ein feines Sieb 1/2 kalte Kalbshirn , das man in stark aromatisschem Fond gekocht hat, oder ebensoviel Ochsen- oder Hammelhirn passieren, das Püree in einer Schüssel auffangen, mit dem Schneebesen glattrühren und 5 Eigelb, 10 g Salz und 1 starke Prise Pfeffer beifügen. Diese Sauce dann mit 1 Liter Öl und dem Saft einer Zitrone aufschlagen und mit 1 Esslöffel gehackter Petersilie fertigmachen.
(Auguste Escoffier, Kochkunstführer, S. 40)